Wann Anzeigen überhaupt Sinn ergeben
Anzeigen verstärken das, was schon da ist. Sie reparieren nichts. Wenn eine Suchende auf deiner Seite landet und in den ersten Sekunden nicht erkennt, ob du ihr Problem behandelst und was das kostet, hast du für diesen Klick bezahlt und nichts bekommen. Deshalb lohnt es sich, vorher vier Dinge zu prüfen:
- Deine Seite beantwortet in den ersten Zeilen, wem du hilfst und was eine Sitzung kostet. Wer nach einer Anzeige auf eine Methodenbeschreibung fällt, klickt zurück.
- Dein Google-Unternehmensprofil ist ausgefüllt und hat ein paar Bewertungen. Anzeigen und Profil erscheinen oft nebeneinander, und das Profil entscheidet mit.
- Es gibt einen klickbaren Weg zum Termin. Ein Kontaktformular ohne Zeiten kostet dich einen Teil der Anfragen, für die du gerade bezahlt hast.
- Du kannst das Gespräch über Selbstzahlung führen, ohne dich dafür zu entschuldigen. Ohne das ist jede Anfrage eine halbe.
Wenn davon etwas fehlt, ist die günstigere Reihenfolge, das zuerst zu bauen. Wie diese Grundlagen zusammenhängen, steht im Ratgeber Wie werde ich als Therapeut:in online gefunden?
Was das realistisch kostet
Im deutschsprachigen Raum liegen Klickpreise für Therapie- und Beratungsbegriffe grob zwischen 0,50 und 2,50 Euro. In Berlin, Wien oder Zürich eher oben, in kleineren Städten eher unten. Mit etwa 200 Euro im Monat und einem mittleren Klickpreis landest du in der Größenordnung von gut hundert Klicks. Wie viele Anfragen daraus werden, hängt fast vollständig von der Seite ab, auf der diese Klicks landen.
Eine grobe Rechnung zum Mitdenken: 200 Euro im Monat bei 1,50 Euro pro Klick sind rund 130 Klicks. Wenn davon jede zwanzigste Person schreibt, sind das sechs bis sieben Anfragen. Wenn daraus ein bis zwei Erstgespräche werden, zahlst du grob 100 bis 200 Euro für eine neue Klientin, die dann mehrere Sitzungen bleibt. Diese Quoten sind eine Beispielrechnung und keine Messwerte aus deiner Region. Deine eigenen Zahlen kennst du nach etwa sechs Wochen.
Zur Einordnung, wie groß so ein Budget über die Zeit wird: Katherine Kaufmann hat über die gesamte Aufbauphase ihrer Berliner Praxis rund 1.500 Euro in Google Ads gesteckt, verteilt über viele Monate. Wie sich das in den Aufbau eingefügt hat, steht in Praxis gründen: erst online starten oder erst den Raum mieten?
Auf welche Wörter du bietest
Die meisten Menschen suchen nach dem, was sie spüren, nicht nach dem Verfahren, das ihnen helfen könnte. Sie tippen „ich bin ständig angespannt“, „Angst Therapie“ oder „Therapeut in der Nähe“ und nicht „Körperpsychotherapie“. Für Anzeigen heißt das: ortsbezogene Problembegriffe zuerst, Methodennamen höchstens als kleine, günstige Ergänzung.
Genauso wichtig ist die Ausschlussliste. Ohne sie zahlst du für Menschen, die eine Ausbildung suchen, eine Stelle, eine Kassenzulassung oder eine Hausarbeit schreiben. Diese Suchanfragen sehen in der Statistik harmlos aus und kosten dich in den ersten Wochen leicht ein Drittel des Budgets. Sieh dir nach zwei Wochen den Suchbegriffe-Bericht an und schließ alles aus, was nicht zu einem Erstgespräch führen kann.
Was in Anzeigentexten stehen darf, ist rechtlich enger als bei anderen Branchen. Die Leitplanken für Formulierungen haben wir hier zusammengetragen: Werbung als Heilpraktiker:in: Was darfst du schreiben?
Der Schritt, den fast alle unterschätzen
Eine Anzeige bringt dir eine Anfrage. Zwischen Anfrage und erster Sitzung liegt ein Gespräch, das in Deutschland fast immer geführt werden muss: dass die Krankenkasse diese Arbeit nicht bezahlt. In der Berliner Praxis, aus der die Zahlen oben stammen, hat jede einzelne Anfrage über Anzeigen dieses Gespräch gebraucht. Das ist keine Ausnahme, sondern der Normalfall.
Der billigste Ort für dieses Gespräch ist deine Seite. Wenn dort steht, was eine Sitzung kostet, dass du privat abrechnest und wie viele Sitzungen üblich sind, kommen weniger Anfragen, aber die richtigen. Wer das erst am Telefon klärt, bezahlt für jede Anfrage, die daran scheitert, vorher einen Klick. Wie du zu einem Preis kommst, den du ruhig aussprechen kannst, steht in Preise festlegen als Therapeut:in in Ausbildung.
Was in der Praxis nicht funktioniert hat
- Breite Begriffe ohne Ort. „Therapie“ allein bringt Klicks aus dem ganzen Land und Anfragen, die du nicht bedienen kannst.
- Methodennamen als Hauptbegriffe. Das Suchvolumen ist klein, und wer danach sucht, findet dich meist ohnehin.
- Anzeigen auf die Startseite schicken. Die Anzeige verspricht etwas Bestimmtes, die Startseite löst es nicht ein.
- Ohne Ausschlusslisten starten. Ausbildungs-, Job- und Kassensuchen fressen sonst einen guten Teil des Budgets.
Und eine Entscheidung, die genauso legitim ist: gar nicht schalten. Google Maps und ein paar frühe Bewertungen tragen über Jahre, ohne dass laufend Geld hineinfließt. Anzeigen hören in dem Moment auf zu wirken, in dem du sie abschaltest. Wenn dein Budget knapp ist, ist die organische Grundlage die bessere Investition, auch wenn sie langsamer wirkt.
Wie Kaufmann Health hier hineinpasst
Wir schalten keine Anzeigen für einzelne Praxen und versprechen dir keine Anfragen. Was Kaufmann Health beiträgt, ist der organische Teil: ein geprüftes Profil im kuratierten Verzeichnis für Körperpsychotherapie, strukturierte Daten für Suche und KI und ein Link für Kennenlerngespräche, den du auch als Ziel einer eigenen Anzeige verwenden kannst. Gelistet zu werden kostet nichts.
Ob du zusätzlich Anzeigen schaltest, ist eine Frage von Budget und Geduld. Wenn deine Praxis heute gut läuft, brauchst du beides nicht.
